Ersteinschätzung - wer darf das?

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Zusammenfassung

Die Durchführung der Ersteinschätzung erfordert eine examinerte Pflegekraft oder einen mindestens 2jährig ausgebildeten Mitarbeiter aus dem Rettungsdienst sowie eine Schulung durch ein geeignetes Schulungszentrum. Die Schulungszentren des Deutschen Netzwerk Ersteinschätzung (sowie die Partner-Institutionen aus Österreich, der Schweiz und Südtirol) stellen die Qualität der Ausbildung durch die stetige Kooperation mit den britischen Systementwicklern und den anderen interantionalen Referenzgruppen und die standardisierte Schulung und kontinuierlich Weiterbildung aller Ausbilder:innen sicher. Grundsätzlich sollte die Ersteinschätzung durch eine(n) möglichst erfahrenen Mitarbeiter(in) ausgeführt werden, allerdings ist das Manchester-Triage-System so angelegt, dass es auch von geringer erfahrenen Pflegenden angewendet sicher werden kann. Achtung: dies gilt für andere Systeme nicht, so fordern die Entwickler des Emergemcy-Severity-Index explizit den Einsatz langjährig erfahrener fachweitergebildeter Notfallpflegender im Rahmen der Ersteinschätzung!

Einleitung

In den Notaufnahmen gibt es einen bunten Mix verschiedenster Berufsgruppen, unterschiedlichster Ausbildungsstände und unterschiedlicher Berufserfahrung. Damit entsteht in den Krankenhäusern die Frage, was bei der Auswahl der Anwendenden und ihrer Qualifikation zu beachten ist. Hierzu gibt es zwei juristische Statements, die verschiedene Aussagen treffen (leider nicht immer gleichlautend).

Das erste Statement stammt von dem Juristen, der das Netzwerk Ersteinschätzung seit 2003 begleitet und bei der Vorbereitung der Anfrage an die Ärztekammer Hamburg zur Zulässigkeit der Durchführung der Ersteinschätzung durch Pflegende zentral beteiligt war: RA Peter Lemke aus Hamburg begleitet die Schulungen in den gesamten Jahren und hat sich ausführlich mit dem Thema befasst.

Das andere vorliegende Statement stammt aus der Zeitschrift Pflege- & Krankenhausrecht 2/2020 aus dem Bibliomed-Verlag. Prof. Hans Böhme, Honorarprofessor an der Fachhochschule Jena Georg-Streiter-Institut für Pflegewissenschaft und Wissenschaftlicher Leiter des Institutes für Gesundheitsrecht und -politik, IGRP, Mössingen beantwortet in der Zeitschrift eine Anfrage einer Pflegenden nach den beruflichen und Qualifikations-Anforderungen der Ersteinschätzenden. Hier die beiden Fragekomplexe und die Meinung der Juristen dazu:

Ersteinschätzung - berufliche Anforderungen

Die Ersteinschätzung ist eine qualifizierte Tätigkeit, die ein profundes medizinisches Wissen erfordert. Damit kann die Ersteinschätzung definitiv von examinierten Gesundheits- und Krankenpflegenden durchgeführt werden (Ärzte seien hier mal ausgeklammert, da es darum geht, an wen die Tätigkeit delegiert werden kann). In dieser Hinsicht sind sich die zitierten Juristen einig - Ersteinschätzung als Einschätzung des Beschwerdebildes und der Symptome auf ein möglicherweise bestehendes Risiko ist Krankenbeobachtung pur - und damit pflegerische Kernkompetenz. Auch Notfallsanitäter/Rettungsassistenten können übereinstimmend dazu in der Lage sein.

RA Peter Lemke ist der Auffassung, dass außerdem nach Eignungsprüfung durch die verantwortliche ärztliche Leitung der Notaufnahme auch Medizinische Fachangestellte (MFA) befähigt sein können (Prof. Hans Böhme schließt dies aus).

Beide sind sich darin einig, dass Verwaltungsfachangestellte, Mitarbeiter:innen am Informationstresen, OTA's, ATA's und andere in der Notaufnahme Tägige hierfür nicht geeignet seien.

Ersteinschätzung - Anforderungen an die Qualifizierung

Beide Juristen sind sich darin einig, dass die Tätigkeit im Rahmen der Ersteinschätzung eine qualifizierte Tätigkeit ist, für die die Anwendenden auch entsprechend qualifiziert geschult werden müssen. Prof. Böhme drückt es mit folgenden Worten aus: "Das Schneeballsystem - in dem Sinne, dass eine angelernte Mitarbeitin bzw. ein angelernter Mitarbeiter eine neue Mitarbeiterin bzw. einen neuen Mitarbeiter anlernt - ist hier auf jeden Fall inakzeptabel." Er fordert (wie auch RA Peter Lemke) eine standardisierte Basisschulung.

Literatur

Ein umfangreiches Statement von RA Peter Lemke steht unten zum Download bereit - der Beitrag von Prof. Hans Böhme unterliegt dem Copyright und kann nur bei Bibliomed (kostenpflichtig) online gelesen werden (das Erscheinen der Zeitschrift Pflege- und Krankenhausrecht ist leider seit Anfang 2021 eingestellt): www.bibliomedmanager.de/pkr/ausgabe/2-2020-pkr-2-2020