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Fallbeispiel Chemikalienkontakt

Das folgende Fallbeispiel verdanken wir einer amerikanischen Kollegin. Shelley Cohen bildet in den USA Triage Nurses und Trainer in der Anwendung des CTAS und ESI aus. Auf ihrer Webseite www.hru.net kann ein monatlicher Triage Tip abonniert werden, der folgende Fall ist der Triage Tip des Monats Oktober. Die Veröffentlichung der deutschen Übersetzung erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch Shelley Cohen:

Der Fall:

Ein 45 Jahre alter Mann stellt sich bei der Anmeldung der Notaufnahme mit den Worten "Ich habe mir auf der Arbeit eine Chemikalie über die Kleidung gekippt!" vor. Der Patient muss nur seinen Namen und seine Versicherungsnummer angeben, diese werden automatisch auf dem Bildschirm der Triagepflegekraft angezeigt. Binnen 5 Minuten wird der Patient in den Triageraum gerufen, es erfolgt die Einstufung nach dem ESI in die Stufe 4.

Innerhalb weiterer 5 Minuten wird der Patient in den Untersuchungsbereich der Notaufnahme geholt, der aus abgeschlossenen Behandlungsräumen besteht. Innerhalb der nächsten 10 Minuten klagen zwei Mitarbeiter über Kopfschmerzen, eine Pflegekraft mit einem bekannten Asthmaleiden bekommt einen akuten Asthmaanfall.

Der Patient ist Mitarbeiter einer Firma, die ein Lösungsmittel auf Farbverdünnerbasis, gemischt mit anderen Chemikalien, einsetzt, um Beschichtungen von Materialien zu entfernen. Der Patient bekam Spritzer dieser Chemikalie ab, er wurde noch am Arbeitsplatz abgeduscht unhd wechselte seine Kleidung, aber nicht seine Schuhe. Seine Wechselkleidung entnahm er seinem Umkleideschrank, sie hatte bei früheren Gelegenheiten bereits Spritzer der toxischen Chemikalie abbekommen.

Triage-Lektion 1:

Erklären sie den Mitarbeitern der Administration, dass jeder Patient, der nach Chemikalien riecht, sofort gemeldet werden muss.

Triage-Lektion 2:

Es muss schnell entschieden werden, an welchem Ort die Triage des Patienten am besten durchgeführt werden soll. Dies kann vor der Notaufnahme in der Dekontaminationseinheit sein (jeder US-ER verfügt über eine Dekon-Einheit, in Sonnenstaaten wie Kalifornien im Freien oder einem "Carport", in anderen Staaten in einem vorgelagerten geschlossenen Raum).

Triage-Lektion 3:

Verlassen Sie sich nie darauf, dass von einem Betroffenen nur deshalb keine Gefahr für die Notaufnahme mehr ausgeht, weil er bereits abgeduscht und umgekleidet wurde.

Triage-Lektion 4:

Patienten, die, auch wenn für sie selbst keine Lebensgefahr mehr besteht, ein Risiko für Dritte darstellen können, können damit ggf. in ESI Stufe 2 eingeschätzt werden.

Unser Transfer auf die Ersteinschätzung mit dem MTS:

Die vorstehenden Warnhinweise zum Umgang mit dem Patienten gelten auch beim Einsatz des MTS, die Risiken eines solchen Falles für Dritte können nicht genügend betont werden.

Die Einstufung des Patienten mit dem MTS erfolgt über das Diagramm "Chemikalienkontakt" und den Indikator "Risiko anhaltender Kontamination" in die Dringlichkeitsstufe ORANGE (2), die Erläuterungen zu dem Indikator weisen auf die Gefahren hin: "...Fehlen einer angemessenen Dekontamination..." und "...Risiken für die Krankenhausmitarbeiter nicht vergessen...". Der Patient sollte binnen 10 Minuten Arztkontakt haben.

Damit sind keine "Tricks" zur Höhergruppierung des Patienten (wie beim ESI) erforderlich, auch wenn wir das Risiko nicht übersehen dürfen, dass die Gefährdung durch eine möglicherweise unzureichende Dekontamination am Unfallort in der Notaufnahme nicht sofort wahrgenommen werden wird.

Kommentare

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story | by Dr. Radut